Berliner Konzerte

Jacques Loussier Trio

Jacques Loussier Trio

Clubkonzert

Play Bach - Play Vivaldi - Play Ravel

Samstag, 27. November 2010, 20:00 Uhr

Philharmonie KMS
Berlin



Werke von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, und Maurice Ravel in Bearbeitung von Jacques Loussier

Eine Veränderung des Notenmaterials galt in der klassischen Musik jahrhundertelang als Sakrileg, was aber gang und gäbe war. Jacques Loussier aber steigerte diese Freiheit zu seinem eigenen Stil: "Play Bach" und weiterführend zu anderen Musikwelten "Play Debussy" oder "Play Satie".

Es wird immer wieder bestätigt, wie respektvoll Jacques Loussier mit den Notenvorlagen umgeht, wie ernsthaft er sein Selbstverständnis als Interpret mit improvisatorischer Freiheit umsetzt und wie zutreffend Glenn Goulds Satz: "Play Bach is a good way to play Bach" ist.

Die neueste Einspielung "The Brandenburgs" stellt nach Loussiers Angaben die Quintessenz seines Stils dar, nämlich die Musik Bachs auf ihr Wesentliches zu reduzieren. Dabei verwendet Loussier das gängige Jazzverfahren Thema - Improvisation - Thema, wie in dem ersten Satz des 1. Konzerts sehr deutlich zu hören ist. Charakteristisch aber der knapp bemessener Improvisationsteil oder der anmutig balladenhaft gestalteter langsamer Satz, der übrigens fast auf den Einsatz des Schlagzeuges verzichtet. Der dritte Satz ist bei Loussier der letzte, da er das Menuett weglässt.

Es ist faszinierend, wie Loussier mit einfachsten Mitteln diesen zum "swingen" bringt. Hat er nicht stets beteuert, dass Bach für ihn der erste "Jazzmusiker" war? All diese Merkmale findet man ebenfalls bei dem 5. Konzert, das als einziges der sechs Konzerte das Cembalo als Soloinstrument vorsieht und damit auch als eines der ersten Klavierkonzerte in der Musikgeschichte gilt. Loussier lässt bei dem Stück jedoch längere Improvisationspartien zu. Das Arrangement gehört bereits seit den Anfängen des "Play Bach" in den 60er Jahren zum festen Repertoire. In der Version mit Streichorchester wurde das Werk u. a. auch im Rahmen der Braunschweig-Classix im Jahre 2004 aufgeführt.

Überhaupt gilt Jacques Loussier, der sich selbst nie als Jazzmusiker betrachtet hat, längst zur Klassik-Jazz-Fusion-Legende. Mit seiner Aufnahme in deren "Hall of Fame" ehrte die Stadt Burghausen, eine der bekanntesten Jazz-Hochburgen Deutschlands, Loussier und stellte sein Konzert als Höhepunkt deren traditionsreiche Jazzwoche ein. Großes Lob kam von der bekannt kritischen Süddeutschen Zeitung, die Loussiers Interpretation von Mozarts Klavierkonzerten KV 466 und 488 als eine der wenigen Beiträgen im Mozart-Jahr 2006, die " …stark genug … Mozart und Jazz in ein plausibles Verhältnis zu bringen." Im selben Jahr wurde Loussiers zweites Violinkonzert als Auftragskomposition der Yehudi Menuhin Gesellschaft anlässlich der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag des großen Musikers in Schweizer Gstaad uraufgeführt. Sie begründet den Auftrag damit, dass Loussiers Beitrag in der Musik dem Geist Menuhins entspricht, der Zäune niederreißt und verbindet. Und dass Loussier auch jüngere Musikergeneration von Jazz bis Pop inspiriert beweist beispielsweise die Adaptation von Loussiers Komposition im "Kill You" des Star-Rapper Eminem.

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